ROMANTISCHE SÜDTOUR

(…Rothenburg)

Wo Märchen wahr werden

Das fränkische Leben und die Sehenswürdigkeiten Rothenburgs hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Take off und ab nach Mittelfranken!

Rothenburg ob der Tauber ist Romantik pur! Aus den Alpen kommend, entzücken schon beim Flug dorthin idyllische Landstriche mit  mäandernden Flüssen, blühenden Felder und Wiesen, vereinzelten Dörfern und Gehöften. Die Flugroute führt zunächst in circa 3500 ft südwestlich an München vorbei. In Augsburgs Norden verläuft der türkisfarbene Lech; er ist von Kies- und Sandbänken durchzogen, auf denen vom kühlen Nass erfrischte Badende die wärmende Sonne genießen. Weiter geht es über das naturbelassene Donauried und die Donau. Ein kleiner Rundflug um die mächtige Burganlage Harburg an der Wörnitz aus dem Jahr 1150 stimmt auf  mittelalterliches Flair ein. Der Funkkontakt ist hergestellt und bald ist die lieblich in die Natur eingebettete Stadt in Sicht.

Beim Anflug auf die Piste 03 des drei Kilometer nordöstlich gelegenen gleichnamigen Flugplatzes bietet eine gute Orientierungsmöglichkeit: Die Bahn liegt am Rand des Naturparks Frankenhöhe neben der Bundesautobahn A7. Wer mag, kann gleich nach der Landung bis zur Tankstelle auf dem Vorfeld vorrollen. Die freundlichen Vereinsmitglieder des Aero-Clubs Rothenburg ob der Tauber“ informieren gerne. Auf der Grasfläche oder manchmal auch in der Halle ist genügend Platz um das Flugzeug abzustellen.

Im Sommer bietet es sich an vom Biergarten der auf dem Gelände des Flugplatzes gelegenen Pizzeria „Volare“, den Flugbetrieb zu beobachten. Die große Weise spendet Schatten, während während im original italienischen Holzofen fantastische Pizzen gebacken werden. Familie Conocchia setzt zu fairen Preisen um, was sie auf ihrer Speisekarte einleitend verspricht:„Gastgeber zu sein und Gäste zufriedenstellend zu bewirten, galt immer als Ausdruck verfeinerter Lebensart...“ In der kalten Jahreszeit steht im Inneren ein kleiner Gastraum zur Verfügung.

Wer mit wenig Gepäck unterwegs ist, kann beim Aero-Club kostenlos Fahrräder ausleihen oder über einen Wanderweg Rothenburg in etwa 35 Minuten erreichen. Mit mehr Gepäck empfiehlt es sich für etwa 11 Euro ein Taxi in die Stadt nehmen, das die Flugleitung gerne telefonisch bestellt. Unterkünfte in Ferienwohnungen und Hotels gibt es in Rothenburg für jeden Geschmack und in jeder Preisklasse. Eine Bleibe im Herzen der Altstadt Rothenburgs hat Vorteile: Hans Georg Baumgärtner, der Nachtwächter, startet seinen allabendlichen Rundgang unweit entfernt. Er führt seine Gäste durch enge, kopfsteingepflasterte Gassen, vorbei an dicht aneinandergedrängten Häusern mit hohen Giebeln in versteckte Winkel und erweckt die Vergangenheit zum Leben.

Zu den bedeutendsten Ereignissen des vergangenen Jahrtausends der Dreißigjährige Krieg, die Kreuzzüge und die Pest. Doch in dieser dunklen Epoche entwickelten sich auch freier Handel und Handwerk, intensiver Informationsaustausch, erste Universitäten und das sogenannte Bürgertum. Denn unfreie Bauern und Vasallen, die in die Stadt zogen und von ihrem Lehensherrn ein Jahr lang nicht angefordert wurden, erlangten ab dem 12.Jahrhundert den Status eines freien Stadtbürgers - „Stadtluft macht frei“.

Dass Rothenburg heute noch steht, ist dem mutigen Einsatz des amerikanischen Staatssekretärs  John McCloy im 2.Weltkrieg zu verdanken, der aus Kindheitstagen eine im elterlichen Wohnzimmer hängende schöne Ansicht Rothenburgs kannte - Mitbringsel derer Europareise. Während die Generäle der verfeindeten Lager die völlige Vernichtung der Stadt mit Artellerie beziehungsweise deren blutige Verteidigung bis zum letzten Mann planten, gelang es McCloy in einer Lagebesprechung, seinem General eine Frist abzuringen: Sollte die deutsche Wehrmacht die Stadt widerstandslos übergeben, bliebe im Gegenzug der bisher unzerstörte Rest verschont. Von deutscher Seite erschien kurz darauf ein ebenso mutiger Unterhändler und vereinbarte die Übergabe der Stadt entgegen dem Willen des gerade nicht anwesenden deutschen Generals. Der Coup gelang, und damit war in Rothenburg der Krieg bereits drei Wochen vor der offiziellen Kapitulation vorbei.

Unser Abend klingt in den von der Dämmerung mild beleuchteten, malerischen Gassen bei gutem einem fränkischen Wein deutlich gemütlicher aus. Und nebenan - hochoben am Markusturm - macht das Klappern des sich begrüßenden Storchenpaares auf deren Nest aufmerksam.

Farbenprächtig leuchten bei Morgensonne die wertvollen Glasgemälde, die um 1350 erstellt wurden,  in den hohen Fenstern des Ostchores der imposanten St.-Jakobs-Kirche. Sie beherbergt ein weiteres großartiges Meisterwerk: den berühmten Heilig-Blut-Altar des Würzburger Bildschnitzers Tillmann Riemenschneiders. Die figürliche Ausgestaltung des Abendmahls ist besonders ausdruckstark in Szene gesetzt. Johannes liegt an der Brust Christus´, während dieser anklagend auf den Verräter Judas deutet.

Vor der Kirche führt unter dem Westchor seit jeher eine Straße zur Klingenbastei. Es macht Spaß, den begehbaren, überdachten Wehrgang, der dort beginnt, entlangzuschlendern und die liebevoll restaurierten Bauten zu betrachten. Den Wiederaufbau der zerstörten Stadtmauer finanzierten Unternehmen und Privatpersonen aus aller Welt und bekamen einen Stein im wiedererrichteten Mauerwerk mit Namen und gespendeter Meterzahl.

Zeit für einen Kaffee! Dazu einen „Schneeball“ kosten,  die regionale Spezialität aus Mürbeteig nach überlieferter Rezeptur, die ausliegende „Fränkische Post“ durchblättern und die Sonne genießen. Durch den märchenhaften Burggarten schlendern und den Panoramablick auf die Altstadt und ins liebliche Taubertal, auf die Weinberge und die historische Doppelbrücke, mit zwei aufeinanderstehenden Bogenreihen wirken lassen.

Wer länger bleibt kann mit dem Rad oder zu Fuß malerische Täler entdecken, Höhenzüge erklimmen und fantastische Ausblicke genießen. Wen das Leben der Handwerkerfamilien im Mittelalter interessiert, der begibt sich zum Alt Rothenburger Handwerkerhaus. Das um 1270 erbaute Gebäude zeigt elf original eingerichtete Räume.

Im Reichsstadtmuseum, Rothenburgs Heimatmuseum, können Interessierte im Jubiläumsjahr der Reformation diverse Veranstaltungen zum Thema „Renaissance und Reformation“ besuchen: Bildersturm, Flugblätter und Hassprediger waren schon damals im Kampf der Religionen real. Auch Tilman Riemenschneider, zunächst für kirchliche Auftraggeber künstlerisch schaffend, geriet in die Wirren des Bauernkrieges, weil er mit den Bauern sympathisierte. Die Rechtsentwicklung vom Mittelalter bis ins 19.Jh.zeigt das mittelalterliche Kriminalmuseum. Die ausgestellten Instrumente für damals übliche Leibesstrafen sind allerdings nichts für zartbesaitete Besucher. Das Historiengewölbe, in dem auch Waffen und Uniformen zu sehen sind, versetzt den Besucher in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Wer es romantischer mag, den stimmt im Winter der  liebevoll geschmückte Weihnachtsmarkt bei typisch fränkischem weißem Glühwein vorweihnachtlich ein.

Dann wird es Zeit nach Frankfurt zurückzufliegen. Eine knappe Stunde führt der Flug über Odenwald und am Rande des Spessarts entlang. Aber nach dem Start wird zuerst noch eine ausgiebige Runde um Rothenburgs zauberhafte Altstadt gedreht, mit ihrer Krone aus Türmen, Wehrgängen und Stadttoren!

Text und Bilder: Max und Sabine Unger

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