ROMANTISCHE SÜDTOUR

(Friedrichshafen …)

Die Stadt der Luftfahrt

In Friedrichshafen gibt es für Piloten viel zu entdecken. Der fliegerische Pioniergeist, der die Stadt prägt wird gut dokumentiert von mehreren Luft- und Raumfahrtmuseen und traditionell gelebt während der Do-Days im August.

Die legendäre Zeppelinstadt am Bodensee - Deutschlands südlichstem Gewässer -  ist das erste anvisierte Etappenziel. Ab Frankfurt führt die Route über Karlsruhe, und schon bald ist die schwäbische Alb in Sicht. Buchen-, Fichten-, und Tannenwälder dominieren die Hochebene,, gelegentlich ragen Felsnasen aus Riffkalk hervor und tauchen die abgeschiedenen Dörfer in eine geradezu mystische Stimmung.

Schon ist in der Ferne ist bereits der Bodensee zu sehen, blauschimmernd und in beeindruckender Größe. Langen-Info schlägt Zürich-Info als neue Frequenz vor. Pflichtbewusst wird die 124,700 MHz gerastet, während der Y-förmige westliche Bereich des Bodensees vorbeizieht: Auf dem Überlinger See schaukeln die Boote mit hübschen weißen Segeln, und kurz darauf sind der Untersee bei Radolfzell und die Klosterinsel Reichenau erreicht.

Die Insel – seit 2000 UNESCO Welterbe – wird von hellen Sandstränden umsäumt und ist mit großflächigen Gemüseplantagen gespickt. Am Horizont kommt bereits die Konstanzer Altstadt in Sicht, doch zuerst steht eine Runde über die  idyllische Insel Mainau auf dem Programm. Das Seewasser glitzert am späten Nachmittag, und die  Alpenkette ragt dahinter in die Höhe – ein fantastischer Ausblick!

Der Fluglotse von Friedrichshafen weist an, den Überflugpunkt von November zu melden. Dort angekommen, folgt die Aufforderung, drei Warteschleifen zu drehen, ehe die Piste 06 zur Landung freigegeben wird. Beim Eindrehen in den Endanflug folgt der Hinweis,  auf  Zeppeline zu achten, tatsächlich kommt ein elegant in Richtung der Berge davonschwebendes, graues Luftschiff in Sicht – atemberaubend! Die allgemeine Luftfahrt parkt auf dem Vorfeld und hat damit einen freien Blick auf den Zeppelin-Hangar gegenüber. Die schwebenden Giganten von dort aufsteigen und landen zu sehen, ist ein beeindruckendes Spektakel.

Wer direkt auftanken möchte - etwa um vor dem Abflug Wartezeiten zu vermeiden -, funkt nach der Landung mit dem freundlichen und unkomplizierten Vorfeldpersonal. Ein Servicemitarbeiter fährt mit einem speziellen Tankfahrzeug vor, betankt das Flugzeug und nimmt die Bezahlung entgegen – so schnell kann das gehen! Der Busshuttle bringt einen direkt zum Terminal, wo eine professionelle Abfertigung in einer eigens für die Allgemeine Luftfahrt eingerichteten Sicherheitskontrolle erfolgt.

Der Flughafen ist gut an den öffentlichen  Personennahverkehr angebunden. Per S-Bahn geht es zügig in die Stadt und nach wenigen Schritten ist die Seepromenade erreicht.

An der Hafenmole lohnt es sich, auf den 22 m hohen Aussichtsturm zu steigen, denn von der obersten Plattform bieten sich ein wunderschöner Ausblick auf Friedrichshafen und ein einzigartiges Bodensee- und Alpen-Panorama. Die untergehende Sonne taucht das belebte Seeufer, die Schlosskirche - mit ihren beiden hohen Kuppeltürmen das Wahrzeichen der Stadt - und die weiße, hochschäumende Seefontäne in ein romantisches Licht. Der Besucher kann ein spektakuläres Alpenglühen genießen und  die funkelnden Lichter der gegenüberliegenden schweizerischen Dörfer ausmachen. Zeit hinabzusteigen. Am Fuß des Aussichtsturms packen Angler, die sich hier in gemütlicher Runde eingefunden hatten, zufrieden ihre Beute, zumeist Barsch, seltener Zander und Karpfen, und ziehen gemächlich heim.

Im Zentrum gibt es zahlreiche Unterkünfte. Wer nicht auf den berauschenden Seeblick unmittelbar an der Seepromenade verzichten möchte, bucht beispielsweise beim Hotel Goldenes Rad. An der Seepromenade laden die gemütlichen Außenterrassen der Restaurants zum Verweilen ein.

Die beinahe menschenleere Uferpromenade morgens entlang zu schlendern, ist ein Genuss. Wer die Stadt auch zu Wasser erkunden möchte, kann am nahegelegenen Gondelhafen kleine Motorboote leihen und auf den See hinausfahren. Neben führerscheinfreien Motorbooten können auch führerscheinpflichtige Yachten, Stand-up Paddle Boards und Tretboote gemietet werden. Alles was schwimmt ist auf dem Wasser: Man begegnet sportlichen Ruderern, in ihren schnittigen Ruderbooten beim frühmorgendlichen Training, gleichsam kraftvoll und elegant über das erfrischende Nass gleitend. Geduldige Angler, die es auf Felchen abgesehen haben, benutzen vom Boot aus sogenannte Hegene-Angeln, deren Schnüre mit 3 bis 5 Seitenarmen und Ködern versehen in verschiedenen Tiefen locken. Große Schiffe der „weißen Flotte“ -  historische Schiffe mit Schaufelrad, Katamarane und Fähren - befördern Passagiere über den Bodensee, der an seiner tiefsten Stelle beeindruckende 250 Meter aufweist. Wieder an Land, laden an der belebten Promenade zahlreiche Straßencafes zum Verweilen ein – maritimes Flair pur!

Wer sich für Luftschifffahrtgeschichte interessiert, besucht das moderne Zeppelinmuseum mit seiner eleganten, weißen Bauhausarchitektur. Dort erfährt man, wie Graf Zeppelin seine Luftschiffe bauen ließ, entdeckt Details von Motoren und technischen Konstruktionen, originale Film- und Tonaufnahmen und erkundet die rekonstruierten Passagierräume der LZ 129 „Hindenburg“.  

Und wer diese Riesen hautnah erleben möchte, bucht eine der 12 angebotenen Rundflugvarianten in einem Zeppelin NT - NT steht dabei für „Neue Technologie“- und fährt bei leise surrenden Motoren und einer Reisehöhe von etwa 300 Metern elegant durch das Luftmeer des Voralpenraums. Auch Zeppelinhangar und Werft können nach Voranmeldung besichtigt werden.

Auf dem Rückweg zum Flughafen empfiehlt es sich, einen Abstecher zum Dornier Museum einzuplanen. An den alljährlich stattfindenden DO-Days kann man das spektakuläre Flugboot DO 24 in seinem glänzenden Aluminiumkleid bewundert werden. An der Tragfläche des Hochdeckers sind drei moderne Turbopropmotoren angebracht – technisch perfekt, kraftvoll und graziös! Höhepunkt der lebendigen Dauerausstellung sind die Pionierinnen der Luftfahrt, der Nachbau der Dornier-Wal und die mit diesem Flugboot verknüpfte, spannende Geschichte der berühmten Amundsen-Expedition.

Es wird Zeit für den Heimflug. Die Abfertigung verläuft entspannt. Atis liefert alle relevanten Informationen, der Turm gibt die Startfreigabe – und schon geht es los! Kurz darauf ist Lindau in Sicht. Die romantische Altstadt mit ihrem malerischen Hafen liegt auf einer Insel am östlichen Ufer des Bodensees. Der weite Blick über die Bregenzer Bucht und den auf der gegenüberliegenden Seeseite in den Bodensee strömenden Alpenrhein, der jährlich tausende  Kubikmeter Sand und Kies von den Alpen in Richtung Bodensee schiebt, versetzt den Betrachter in Staunen: Aus der Luft sind die beeindruckenden hellen Geschiebemassen gut zu erkennen. Sie werden über einen Kanal in die Seemitte geleitet, um eine Verlandung beim Rheindelta zu verhindern. Eine letzte Runde über das glitzernde Wasser mit Sicht auf die Schweizer Berge macht neugierig die alpinen Bergwelten fliegerisch zu erkunden.

Text und Bilder: Max und Sabine Unger

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